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In Deutschland wird der Bürgerprotest gegen und für Stuttgart 21 als tiefsitzende Unzufriedenheit mit den Politikern und den politischen Parteien gedeutet. Das mag durchaus so sein. Doch was wir erleben, ist der Aufstand des Social-Network, die Empörung der sich auf Facebook und Twitter organisierenden Bürgerinnen und Bürgern.

Als Organisatoren der Aktionen spielen die Parteien in diesem Konflikt keine Rolle mehr. Die Grünen profitieren von der Stimmung, schwimmen aber nur noch mit. Hier ist eine Community, eine Gemeinschaft entstanden, die von keiner politischen Partei mehr gesteuert oder gar beeinflusst wird.

Folgerichtig spricht sich Heiner Geissler für die Übertragung der Verhandlungen live im Internet aus.

Die Bürger sollen per medialer Übertragung und Internet an den Gesprächen teilhaben.

Die Sozialen Netzwerke verändern in Repräsentativen Demokratien das eingespielte System viel schneller, als es eine analoge Revolution zustande brächte. Denn auf Facebook kann jeder mitreden, mit Twitter aktuelle Informationen weiterreichen. Nicht “Wir sind das Volk” lautet der Schlachtruf, sondern “Ich will mitwirken”.

Ohne Volksabstimmung, das ist schon jetzt die erste Folge von Stuttgart21, können auch in Deutschland keine derartigen Grossprojekte mehr gebaut werden.

Nicht mehr wichtig für die Verbreitung der aktuellen Stimmungslage des Einzelnen sind die traditionellen Medien. Wenn die ARD diese oder jene empörte Frau um acht Uhr einen Satz sagen lässt, dann ist das Berichterstattungsfolklore ohne weitere Bedeutung.

Die Menschen schauen sich die Bilder der letzten Demo auf Youtube an, diskutieren auf Twitter (#s21/#stuttgart21), werden in Foren und Blogs (Wir sind Stuttgart 21, I Love Stuttgart 21, Das Stuttgart-21-Kartell, Bei Abriss Aufstand und dann noch das hier: Die Spätzle-Mafia) über die aktuelle Situation auf dem Laufenden gehalten. Und für die Demo von heute Abend mobilisiert.

Zu dieser “Schwarm”-Demokratie gehört auch eine Ritualisierung des Protests: Die einen trillern immer zur gleichen Uhrzeit, die anderen fahren zu festgelegten Zeiten mit dem Velo durch die Stadt.

Für Unternehmen ist Stuttgart21 ein Lehrstück. Für die etablierte Politik erst recht.

  • Neue Grundlage gefragt: Die Bürger, die Konsumenten akzeptieren keine Heimlichkeiten mehr. Sie wollen eine offene Kommunikationskultur, weil früher oder später sowieso alles irgendwo im Netz veröffentlicht wird. Die Grundlage für die neue Kommunikationskultur bildet die selbstverständliche Haltung, dass es okay ist, wenn alle am Meinungsbildungsprozess beteiligt werden.
  • Personen, denen man vertraut: Ohne die richtigen Leute vor Ort – eben auch in den Social Networks – ist eine solche Auseinandersetzung nicht zu gewinnen. Bei den Gegnern sind es ganz wenige, welche die Proteste moderieren, darunter ein Schauspieler. Bei den Befürwortern kommen nur etablierte Politiker und analoge Manager zu Wort.
  • Organisiere deine Anhänger: Wer möglichst viele Menschen mobilisieren will, der muss sie in den Social Networks zusammentrommeln. Die Pro-Seite für Stuttgart21 hat auf Facebook rund 92’000 Sympathisanten und die Gegner von Stuttgart21, “Oben bleiben”, rund 76’000 Anhänger. Um solche Zahlen zu erreichen, braucht es echtes Engagement – sowohl der Moderatoren als auch des Publikums.
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Eine amerikanische Studie, in die 1’500 Twitterer einbezogen wurden, ergab das wohl wenig erstaunliche Ergebnis: Twitterer sind einflussreiche Konsumenten und fleissige Onlinenutzer.

  • 61 Prozent schreiben mindestens einmal im Monat ihre Meinung zu einem Produkt.
  • 20 Prozent gaben an, dass sie einer Marke folgen.
  • 90 Prozent tun dies in der Absicht, sich mit dem jeweiligen Unternehmen über die Marke auszutauschen.
  • 33 Prozent twittern mindestens einmal pro Woche über Marken und Produkte.
  • 32 Prozent geben konkrete Empfehlungen ab.
  • 30 Prozent fragen nach den Erfahrungen anderer.

Quintessenz der Studie:

Twitter offers marketers an unrivaled opportunity to instantly and personally interact with customers on behalf of a brand.

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Es gibt Facebook. Es gibt Twitter. Und es gibt Oxytocin, das umgangssprachlich als “Kuschelhormon” bezeichnet wird. Und das müsste nun jeden Arbeitgeber hellhörig machen: Wer sich mit seinen Freunden auf Facebook austauscht oder Twitter-Nachrichten versendet, der schüttet das Kuschelhormon aus.

Wer sich also während der Arbeitszeit in Social Networks tummelt, ist umgänglicher, zuvorkommender, hilfsbereiter und so weiter als Networks-Abstinenten – weil die Kuschelhormone nur bei Ersteren richtig in Wallung kommen.

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Es gibt diesen Vers aus der Kindheit, den zumindest alle im alemannischen Sprachraum kennen:

Där Hans Dampf im Schnoogeloch, het alles was er will. Und was er het dass will er net, und was er will das het er net.

Dank des Web kann man nun diesen Vers entsorgen. Jetzt gibt es  Hunch. Denn:

Hunch is a website, designed as a collective intelligence decision-making system that uses decision trees to make decisions based on users’ interest. Hunch is building the ‘taste graph’ for the internet, mapping every person to every entity — and their affinity for that entity. (Wikipedia)

Auf gut Deutsch geht das so: Man loggt sich mit seinem Facebook oder Twitter-Account ein, beantwortet zwanzig recht banale Fragen (z.B. welcher Pommes Frites-Typ man ist) und erhält aufgrund dieses Algorythmusprofils ein paar Empfehlungen. Hunch lag mit seinen Empfehlungen nicht mal so daneben.

Den “Economist” und den “New Yorker” lese ich regelmässig online und Monty Python’s Flying Circus ist tatsächlich einer meiner Lieblingsstreifen. Allerdings – Sex in the City? Gut, das hat man. Aber sich diese Serie antun müssen oder gar den Film, na ich weiss nicht.

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Seit Twitter im Netz ist, wurden gemäss einschlägigen Meldungen mehr als 10 Mia. Tweets abgesetzt. Über 100 Mio. Accounts sollen bestehen und jeden Tag sollen 300’000 neue dazu kommen. Das sind imposante Zahlen. Und die statistischen Zahlen zeigen für die Zukunft weiter nach oben:

Allerdings: Wenn man genauer hinschaut, dann ist das, was auf Twitter läuft, eher ernüchternd: 20 Prozent der Accounts sind tot,  50 Prozent der Twitterer tun dies äusserst selten und das zumeist für sich allein, denn gerade mal 5 Prozent

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