Die Evolution ist nicht zu stoppen. Im letzten Quartal des letzten Jahres hat Amazon mehr E-Books über ihr Kindle-System verkauft als Taschenbücher. Der definitive Sieg des E-Books über das Taschenbuch war erst im Verlaufe dieses Jahres erwartet worden.
Gegenüber dem gebundenen Buch fallen die Verkaufszahlen noch drastischer aus: Amazon hat letztes Jahr dreimal so viele E-Books wie gebundene Bücher verkauft.
Man mag ja das Rascheln von Papier durchaus lieben und es vorziehen, Literatur, Belletristik oder Fachbücher auf diesem Datenträger zu lesen. Allein, es ist keine Kulturfrage. Papier ist nur ein Datenträger, ein ziemlich unpraktischer, weiss der, welcher Kindle oder das iPad nutzt.
Gut, über diese Titelsetzung kann man sich streiten.
Die Geschichte ist jedoch ziemlich lokal und handelt deshalb von einem Blumenkübel, der vor einem Altenheim stand und des nachts von Unbekannten zerstört wurde: “Von den Tätern fehlt jede Spur”, wird berichtetund die Bewohner des Altersheims “seien traurig und verständnislos”.
Nach ein paar Tagen unbemerktem Onlinedaseins des Beitrags einer etwas unbedarften Praktikantin geschah Erstaunliches: Die Geschichte wurde für die Münstersche Online-Zeitung zum Renner des Sommers: über 50’000 Besucher wurden innerhalb zweier Tage für diesen einen Beitrag gezählt. Und die Besucherwelle ebt noch immer nicht ab.
Für den doch beachtlichen Besucherverkehr sorgten über 400 Tweets und über dreissig Blogbeiträge (jetzt ist’s noch einer mehr).
Die Münsterschen Online-Macher freuten sich über die unerwartete Aufmerksamkeit, die sie erzielt hatten und schrieben selbstverständlich eine Fortsetzung: Blumenkübel bleibt Top-Thema im Netz.
Inzwischen ist auf Youtube das Bekennervideo einer Gruppe “Free the Flowers” aufgetaucht.
Nun gut, es handelt sich hier weniger um einen Beitrag über die Zukunft des Lokaljournalismus als vielmehr darum, welches Interesse ein harmloser, ja absurder Text in der Onlineausgabe einer Provinzzeitung dank Twitter erreichen kann.
Jedoch – wer sonst als Lokaljournalisten schreibt schon über zerstörte Blumenkübel vor einem Altersheim?
Das vergangene Jahr war für die US-Medien ein schlimmes Jahr. Die Werbeeinnahmen gingen erneut zurück und zwar um 26 %. Und die Aussichten sind nicht gut. Analysten gehen davon aus, dass die Medien bis 2013 gegenüber dem Jahr 2006 41 % weniger Werbeumsatz machen werden.
Die Wirtschaftskrise ist in den USA vor allem auch eine Medienkrise: Lokale Fernsehstationen minus 22 %, gegenüber 2008 eine Verdreifachung des Rückgangs;
Die Verleger in aller Welt hoffen auf den iPad. Denn damit liessen sich Online-Inhalte endlich auch verkaufen. Die elektronische Zeitung als Zukunft für die Verlage? Der amerikanische Kommunikationsspezialist Martin Langeveld sieht demgegenüber schwarz für die Verlage. Es werden noch mehr Inserate ins Netz abwandern.
Langeveld sieht dank dem iPad und ähnlichen Geräten einen gewaltigen Umsatzzuwachs fürs Onlinegeschäft voraus. 2009 wurden in den USA für 1.2 Mia. USD Waren online abgesetzt. Experten rechnen bis ins Jahr 2015 einen Umsatzsprung auf 119 Mia. USD.
Die der SPD nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung hat kürzlich eine Studie zur Zukunft der Zeitung publiziert. Sie fasst den derzeitigen Stand der Diskussion sehr gut zusammen und kann als Grundlagenpapier für pressepolitische Debatten genutzt werden.
Thesen:
Das Internet ist nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert deren Ausdrucksformen und publizistische Wirkung neu.
Journalistischen Online-Angeboten mangelt es derzeit noch an verlässlichen Erlösmodellen, die den Qualitätsjournalismus