Die Basler Zeitung liefert derzeit ein Lehrstück einer katastrophalen Unternehmenskommunikation ab. Dabei interessieren uns weniger der Inhalt der Statements von Verleger Martin Wagner oder die Kommentare von Chefredaktor Martin Somm in der eigenen Zeitung.
Die Basler Zeitung hat ihre Krisenkommunikation online nicht im Griff.
Und die ist inzwischen viel wichtiger, als das was in der Zeitung steht oder auf Telebasel oder sonstwo beteuert wird. Was online veröffentlicht wird, bleibt auf lange Zeit erhalten und kann jederzeit frisch gegoogelt werden.
Online-Meldungen geniessen beim Publikum eine hohe Glaubwürdigkeit.
Die Basler Zeitung veröffentlicht auf ihrem Onlineportal ihre eigenen Widersprüche. Wäre das nicht gänzlich ungewollt, könnte man der Unternehmensleitung zu dieser Transparenz eigentlich gratulieren.

Unter der Sonntagsschlagzeile “Blocher übernimmt Mandat bei der Basler Zeitung” lesen wir:
Christoph Blocher soll den künftigen Kurs der Mediengruppe der Basler Zeitung (BaZ) bestimmen. Die Verpflichtung des SVP-Exponenten entspricht der gegenwärtigen Ausrichtung des Konzerns.
Das ist doch klar und deutlich.
Im Verlaufe des Tages wurden Titel und Schlagzeile geändert. Nun heisst es unter dem Titel “Blocher übernimmt Beratungsmandat bei der «Basler Zeitung»”:
Christoph Blocher soll den künftigen Kurs der Mediengruppe der «Basler Zeitung» mitbestimmen. Die Verpflichtung des SVP-Exponenten entspricht der gegenwärtigen Ausrichtung des Konzerns.

Heute nun schreibt die Basler Zeitung in ihrer Online-Ausgabe seit 4 Uhr früh unmissverständlich: “Blocher war schon immer da”
Der Aufruhr in Basel gilt nicht Christoph Blocher. Sondern der unglaubwürdigen Kommunikation der Verleger.
Wir erleben also ein Unternehmen, das auf Papier das eine sagt und online etwas völlig anderes. Wir können sogar die Widersprüche und Korrekturen nachverfolgen.
Aus meiner Sicht hat das in der Tat nichts mit Transparenz zu tun, sondern mit Unvermögen in der Unternehmenskommunikation.
Die Erklärung, der Inhalt der Basler Zeitung Online werde halt von der tamedia-Redaktion in Zürich bestimmt, wäre bezeichnend für die völlig konfuse Informationslage.
Man muss sich das mal vor Augen halten: Der grösste Konkurrent bestimmt auf der eigenen Unternehmenswebsite Inhalt und Richtung der Berichterstattung.
Das ist der Albtraum jedes Krisenkommunikationsverantwortlichen.
PS: Das Unternehmen nutzt nicht einmal die eigene Homepage, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Die aktuelle “News” auf Basler Zeitung Medien stammt vom 10. Oktober 2010: Basler Zeitung mit neuer Führungsstruktur


Hallo Manfred – wäre langsam Zeit für eine alternative Basler (Online) Zeitung?
[...] This post was mentioned on Twitter by Manfred Messmer and Marcel Bernet, JuliaBBH. JuliaBBH said: RT @ManfredMessmer Katastrophale Unternehmenskommunikation der Basler Zeitung – http://manfredmessmer.ch/EV @daspferd [...]
@marcel: Für mich wäre der publizistische Ausweg mit Telebasel gegeben. Das Lokalfernsehen gehört einer Stiftung, also allen. Es wird mit Zwangsgebühren aus dem Kabelnetz und SRG-Splitt finanziert, ist also finanziell ziemlich unabhängig vom Werbemarkt und wirtschaftlichem Zwang.
Wenn man den Sender noch mit einem anständigen Onlineportal aufpeppen würde, hätte man in Basel die Alternative zum Holz-Paper BaZ.
Aber Wunschträumen nachhängen ist einfacher, als das Naheliegende tun.
Habe hier darüber geschrieben: Telebasel ist die Alternative
@manfred – Und ganz so einfach ist es ja dann doch nicht. Schade um die gute Marke, welche die BaZ (noch) hat. Der Aufbau von Medien braucht einfach viel Kapital, auch im Online-Raum. Ein gutes CH-Beispiel für pionierhaften Journalismus bietet aus meiner Sicht finews.ch
[...] Siehe auch: Katastrophale Unternehmenskommunikation der Basler Zeitung [...]