Wenn ich in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz, den Begriff “Gewaltspiele” google, dann bekomme ich völlig verschiedene Resultate geliefert, was ja auch einleuchtet. Denn ich interessiere mich ja zunächst dafür, was zu diesem Begriff in meinem Land publiziert worden ist.
Schaut man näher hin, dann fällt einem auf, dass der wichtige oberste Eintrag unterschiedliche Wertungen aufzeigt: In Deutschland kommt zuerst “jugendschutz.net - Gewaltspiele im Internet“, in Österreich Gewaltspiele sind ungefährlich” – futurezone.ORF.at” und in der Schweiz Gewaltspiele: «Aggression gehört zu uns» – Beobachter.
Dahinter steckt nicht nur Zufall, sondern eben auch System. Denn nicht nur China schreibt Google vor, was seine Internetbürger finden sollen und was nicht. Auch andere Staaten, wie beispielsweise Deutschland, sorgen mit entsprechenden Gesetzen dafür, dass man nicht alles findet, was man finden könnte.
Aktuelles Beispiel: In Deutschland müssen ARD und ZDF unter dem Titel “Jungendschutz” Tatortfilme bis 20 Uhr vom Netz nehmen. Innerhalb eines Jahres hat die ARD überdies “mehr als 100’000 Dokumente aus den Onlineportalen entfernt”.
Wäre Deutschland beispielsweise China, wäre der Aufschrei der Empörung doch recht gross gewesen. Aber so?
Der Economist stellt in einem lesenSwerten Beitrag die Frage, ob wir nicht auf eine Balkanisierung des Internet aufgrund nationaler Vorschriften und kommerziellen Strategien zusteuern.
Fifteen years after its first manifestation as a global, unifying network, it has entered its second phase: it appears to be balkanising, torn apart by three separate, but related forces.
- Erstens: Regierungen erobern ihre im Internet verlorene Souveränität (profan ausgedrückt: die Macht über ihr Staatsvolk) zurück.
- Zweitens: Grosse IT bauen ihr eigenes digitale Territorium auf, wo sie allein die Regeln festlegen, wer was mit wem austauschen darf.
- Und drittens: Netzwerkbetreiber schaffen über ein Gebührensystem verschiedene Klassen von Nutzern. Wer viel bezahlt, darf alles lesen, wer wenig bezahlt, nur Unterhaltung gucken (ist eine eingeführtes Gebührenmodell in England).
Die Frage, ob das Internet aufgrund nationaler gesetzlicher Vorschriften und kommerzieller Interessen in einzelne, in sich geschlossene “Gebiete” gestückelt wird, stellt sich derzeit noch nicht. Doch ein Gebilde, das wie das Internet sehr schnell gewachsen sei, könne auch ebenso rasch wieder verschwinden, schreibt der Economist.


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