Aug
10
Will man den Umfragen glauben, so befassen sich praktisch alle Unternehmenskommunikationsabteilungen in unseren Breitengraden mit der Frage, ob und wie man sich in Social Networks engagieren soll. “Wie verdammt noch mal, sollen wir es denn anstellen”, lautet die Frage im Kopf, wird aber aus purer Höflichkeit so formuliert: “Haben Sie einen Vorschlag, wie wir vorgehen könnten?”
Zuerst sollte man ein paar Fehler vermeiden, denn so eine Facebook-Fanpage ist ja schnell mal eingerichtet.
- Es fehlt die Strategie: Viel zu viele Unternehmen rennen einfach drauflos, so als würden sie den Anschluss verpassen. Gemach. Die Entwicklung ist in vollem Gang, noch verpasst bei uns niemand den Zug. Die Corporate Communications-Abteilung, die sich in Social Networks engagieren will, sollte zunächst einmal den CEO von ihrem Ansinnen überzeugen. Denn er muss am Ende des Tages den Kopf hinhalten, wenn’s schief läuft. Und es läuft garantiert immer mal wieder etwas schief. Ziemlich sicher müssen beispielsweise die internen Kommunikationsrichtlinien angepasst werden, denn anders als eine Pressemitteilung kann man sich einen Blogbeitrag oder eine Twitternachricht nicht jedes Mal vom gesamten internen Rösslispiel absegnen lassen. So funktioniert diese Welt nicht. Diese Übung mündet dann in ein Konzept mit Zielen und Inhalten – kurz, mit dem Sinn des Ganzen. Und man schaut mal nach, was die Konkurrenz so treibt. Eine Umfrage in den USA ergab kürzlich, dass 78% der antworteten Unternehmen erklärten, sie würden sich in Social Networks engagieren, jedoch nur 41% dieser Unternehmen erklärten, sie hätten dafür eine Strategieplanung ausgearbeitet.
- Es fehlt an taktischer Planung. Dabei geht es um mehr als um das Wissen wie Twitter, Facebook, Youtube oder ein Blog funktionieren. Das zu lernen ist relativ einfach. Taktische Planung hat damit zu tun, dass die Strategieplanung auf spezifische, kurzfristig Themen und Aktionen heruntergebrochen wird. Es geht um die Umsetzung von praktischem Wissen, wie und wann man sich mit anderen Leuten in den Social Networks auseinandersetzen soll, wie man so effizient wie möglich seine Inhalte umsetzt.
- Es fehlt an den personellen Ressourcen: Das ist eines der zentralen Probleme, mit denen sich die Corporate Communications-Abteilungen herumplagen müssen. Wer übernimmt den Job, wer twittert, bloggt und diskutiert mit den Freunden auf Facebook? Hier braucht es motivierte Mitarbeiter, die gewillt sind, sich in ein (spannendes) neues Kommunikationsgebiet einzuarbeiten. Oder man findet auf dem ausgetrockneten Personalmarkt doch noch jemanden, der Erfahrung mitbringt. Die neuen Berufsfelder habe ich kürzlich hier beschrieben: Mitarbeiterprofile für Social Newsroom.
- Es fehlt an interessanten, engagierten und wertbringenden Inhalten: Der schön gestaltete Social Media Newsroom, dessen einfache technische Handhabung, überhaupt die ganze Begeisterung bringt nichts, wenn man nichts zu berichten hat, was die Leute auch tatsächlich interessiert. Und hier beginnt nun der harte Teil des Sache. Die meisten Mitarbeiter in den Corporate Communications-Abteilungen haben sich daran gewöhnt, hin und wieder eine Medienmitteilung abzusetzen. Es wurde dann den Profis in den Medien überlassen, daraus etwas Anständiges für die Leserschaft zu machen. Oder die Meldung in den Papierkorb zu schmeissen. Die neue Zeit braucht neugierige Leute, die zum einen ihren Beruf lieben, ihr Unternehmen erst recht und das, was ihr Unternehmen verkauft, als die spannendste Sache der Welt verstehen. Wer das nicht kann oder das anders sieht, soll künden und gehen.
- Keine Lust sich zu engagieren. Social Media ist keine Einbahnstrasse. Social Media ist mehr als Dialog, Social Media bedeutet echtes Engagement. Diese Arbeit erfordert Zeit und Aufwand. Wie im richtigen Leben unter Freunden halt. Wer das nicht kann oder nicht will – siehe letzten Satz oben.


[...] “Wie, verdammt, soll man sich denn in Social Networks engagieren?”, fragt Manfred Messmer – und beantwortet die Frage auch gleich selbst. Mit Lust, mit strategischer Planung, mit personellen Ressourcen und mit richtigen Inhalten. [...]