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Gestern hat der Postmann zweimal geklingelt. Und das Paket von Apple abgeliefert. Das war morgens so gegen neun. Erst lange Stunden später, so gegen elf Uhr nachts, liess ich die Finger von dem Ding, die Batterieanzeige meldete noch immer 38 % Ladung.

Auf das iPad habe ich schon seit Jahren gewartet. Egal, was sich Steven Jobs dabei gedacht hat, als er das Okay für die Entwicklung des Geräts gab. Seit zwanzig Jahren kaufe ich mich quer durch all die Gadgets, die in diesen langen Jahren auf den Markt kamen. Und wenn man die drei Versionen des Time System-Organizers dazu zählt, sind es sogar mehr als zwanzig Jahre.

Auf dem Weg zum iPad liegen die meisten Modelle von Nokia und einige von Motorola. Von Psion habe ich praktisch im Jahrestakt sämtliche Neuentwicklungen (auch für Mitarbeiter) gekauft – den Psion Revo, die Series 5 und auch das Psion Notebook. Bis die schlapp machten. Man könnte mit all dem Geld einen Kleinwagen kaufen.

Mit dem Kauf des Garmin Que und dem Razr von Motorola war Schluss. Und ich habe mich damals gewundert und genervt, weshalb und dass man mit dem Garmin, Organizer mit GPS, nicht auch noch telefonieren konnte.

Dann kam das iPhone.

Und jetzt das iPad. Ich habe gestern so ziemlich alles ausprobiert. Beispielsweise habe ich – in angenehmer Umgebung – zwei Stunden intensiv an einem Text gearbeitet. Das Zehnfingersystem, das mir glücklicherweise in frühen Jahren beigebracht wurde, klappt bestens; ich machte nicht mehr Tippfehler als sonst auch.

Gut, man muss die Autokorrektur ausschalten, weil die nervt. Und man muss für 11 Franken “Pages” kaufen, damit man auf dem iPad Worddateien bearbeiten kann. Die habe ich mir via Mail aufs Tablett geschickt. Später, als ich mich durchs Hilfsprogramm fingertippte, las ich, dass sich PC und iPad über iTunes viel einfacher austauschen können. Was dann auch klappte.

Gekauft habe ich, ebenfalls für 11 Franken, “Keynote”. Allerdings waren meine Powerpoint-Slides nach dem Konvertieren ziemlich verstümmelt, also unbrauchbar. Diese 11 Franken kann man sich sparen. Ausser man kauft sich für über hundert Franken  iWork und steigt damit auch bei der Software von Microsoft auf Apple um. Man diskutiert in Foren von einer PC-Ausgabe.

Aber das ist ein wenig zu viel der Liebe. Ich komme darauf weiter unten noch zurück – also noch etwas Geduld für die beiden anderen Gedanken.

Ich habe also auf dieses Ding schon seit Jahren gewartet. Und als ich vor dem Fernseher sass – sie sendeten kurz nach Boston Legal diese eigenartige Eröffungsshow zur Fussball-WM – wurde mir bewusst, dass ich mich jetzt entscheiden muss: Glotze oder Pad.

Ich entschied mich für das iPad und legte mich aufs Bett. Etwas verzweifelt bin ich an meinen RSS-Feeds. Die Qualität des FeedReader 3.0, den ich auf meinem PC und auf dem Netbook installiert habe, will sich mit dem gRSSReader (2 Franken) nicht einstellen.

Wobei ich sagen muss, dass ich auch mit dem GoogleReader nicht klarkomme (wie löscht man die gelesenen Artikel?). Weder am PC noch auf dem iPad. Das ist ziemlich frustrierend. Für Tipps bin ich also überaus dankbar. TweetDeck hatte Startprobleme,  zeigte gestern nur Uraltnachrichten.

Bei Amazon habe ich mir das Kindle-App besorgt, was recht einfach ist, weil ich dort bereits einen Account besitze. Selbstverständlich habe ich auch ein (gratis)-Buch runtergeladen – auf Englisch, weil es eine deutsche Bibliothek noch nicht gibt. Dasselbe gilt auch für die Apple-Bibliothek “iBooks”. Dort steht jetzt nur “Winie the Pooh”, das bekommt man gratis geliefert.

Gelesen habe ich dann zum einen eine Ausgabe von “brand eins”, dem etwas anderen deutschen Wirtschaftsmagazin. Um die Texte auf Bildschirmbreite zu bringen, muss man diese – ebenfalls mit einem Fingertipp – ins Leseformat umwandeln.

Bemerkenswert: das iPad wird anders als mein Notebook nicht heiss, treibt keinen Ventilator auf Hochtouren.

Und schliesslich der Höhepunkt des Abends – DER SPIEGEL. Die liefern ebenfalls gratis ein erstes Heft. Klar und das ist nun so, wie ich mir die Sache vorgestellt habe: der volle Papierersatz. Ergänzt werden die Texte mit Videos und Bildern. Und ich überlege mir, ob ich den SPIEGEL nicht für 29 Euro für 11 Wochen abonnieren soll. Jeweils samstagnachts um 22.00 kann man die neue Ausgabe elektronisch beziehen.

Doch nun zur Schlussbemerkung.

Nervig finde ich, dass ich nicht mit Chrome arbeiten kann. Denn mit dem habe ich meine Lesezeichen für alle Computer dieser Welt synchronisiert, was nun mal sehr praktisch ist. Ich hatte am Morgen etwas mit dem Safari rumgepröbelt, meine Lesezeichen exportiert und wieder importiert, aber eigentlich will ich nicht in ein neues System wechseln. Denn dann müsste ich konsequenterweise von Google auf MobileMe wechseln. Und dazu habe ich derzeit keine Lust.

Wir befinden uns also an einem Scheideweg: Entweder man entscheidet sich für die ohne Zweifel fantastische Apple-Welt oder für die Infodrehscheibe Google. Weil ich kein Apple-Jünger bin, sondern so einfach wie möglich meine Kommunikationswelt organisieren will, werde ich nicht bei Apple bleiben.

Es braucht Konkurrenz. Beispielsweise für die Festlegung der Marktpreise oder die Weiterentwicklung der Tabletts.

Im Juni werde ich mich deshalb nach gut zwei Jahren von meinem iPhone verabschieden und auf ein Android-Modell umsteigen (möglicherweise auf das HTC Desire) und irgendwann nächstes Jahr wahrscheinlich auch auf ein Android-Tablett.

Denn mir ist die Marke eines Geräts völlig egal und Steven Jobs erst recht (auch wenn ich ihn als Unternehmer hoch einschätze). Mich interessiert nur die Funktionalität der Geräte und Programme für meine ganz persönlichen Bedürfnisse (ich kann nicht mal sagen, wer der Hersteller meines Notebooks ist, das nur die Hälfte des iPad kostete).

Ich mag es nicht, der Gefangene eines Systems zu sein. Das ist nämlich der für mich stärkste Eindruck dieses ersten Tages: Ich bin in einem geschlossenen Raum, der zwar vieles bietet und wunderhübsch ausgestaltet ist. Aber wer drin ist, kommt nicht mehr raus.

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6 comments untill now

  1. Tip für RSS: alle feeds als OMPL Datei in Google Reader importieren und dann mit dem auf Google Reader aufsetzenden mobileRSS auf dem iPhone / iPad lesen. Unschlagbar. Und auf dem Google Reader “löscht” man nie, die gelesenen Artikel werden als solche markiert und bleiben immer erhalten. Über alle Plattformen hinweg.

  2. Ich verstehe diese allenthalben wachsende Begeisterung für Chrome nicht. Da hat uns Mozilla mit Firefox über viele Jahre den einzig tauglichen Browser geliefert, und jetzt wo’s ein bisschen Konkurrenz gibt, laufen zum Dank gleich alle davon. Aber das nur nebenbei. Das Problem der Synchronisation der Browser-Umgebung (Bookmarks, Einstellungen, Passwörter etc. etc.) über Platformgrenzen hinweg wird Firefox bald lösen, dank Firefox Home für iOS: https://wiki.mozilla.org/Mobile/firefoxhome#Firefox_Home_for_the_iPhone

  3. [...] This post was mentioned on Twitter by Manfred Messmer, onlinerelations. onlinerelations said: Die Revolution ist im vollen Gang | MANFRED MESSMER ¦ online relations http://ow.ly/17HcV4 [...]

  4. @Andreas: Undank ist des Konsumenten Los. :-) @Christian: Danke. Habe noch das Google App (gratis) hinzugefügt. In der Fussleiste finden sich drei Icons: Suche, Google Apps und Einstellungen.

    Über Apps kommt man z.B. zu News, Mail, Übersetzer etc. und eben auch zu Reader.

    Damit lassen sich die Meldungen wirklich gut lesen (bin inzwischen bei 80 Feeds, die ich täglich durchackere). Die Bezahl-Apps für RSS kann man sich sparen.

  5. Das mit Google Reader ohne Zusatzapps hab ich mir auch lange gedacht, dann aufgrund einiger Testberichte aber trotzdem CHF 3.30 in Reeder investiert -> hat sich sehr gelohnt, das Lesen der Feeds (und der Artikel) ist intuitiver und schneller. Falls es dazu eine angepasste iPad-Version gibt, wäre das sicher einen Versuch wert.

  6. Für das, was das I-Pad leistet, ist die Spiegel-App ziemlich ernüchternd! Nur schon der grausige Flattersatz ist Graus für die Augen. Schau dir doch mal die WIRED-Magazin-App an. Da hast du was von deinem Gerät und von da könnten sich Medien hierzulande noch eine Scheibe abschneiden.

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