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Gemäss Peter Kruse, Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie, der heute Nachmittag sprach, lassen sich die Internetuser in zwei Grundtypen unterteilen in den Digital Visitor und in den Digital Resident. Bei Letzteren verschmilzt der Alltag immer mehr mit der digitalen Welt.

Die beiden Gruppen halten sich zwar beide im Internet, also im gleichen Raum auf, sehen diesen und bewerten diesen jedoch völlig unterschiedlich. Grob gesprochen: Die einen sehen die Gefahren und die anderen die Chancen.

Dies ist nicht einfach ein Guess-Sache oder eine Unterteilung zwischen solchen, welche das Internet häufig oder weniger häufig nutzen. Dieses Grundmuster findet sich auch bei Leuten, welche als sogenannte „Heavy User“ gelten.

Kruse und sein Team haben eine repräsentative Studie mit 191 Probanden durchgeführt, die, im landläufigen Sinn, das Internet überdurchschnittlich nutzen. Die Unterschiede könnten nicht grösser sein.

Während die Digital Residents für sich eine möglichst grosse Freiheit im Netz reklamieren, möchten die Digital Visitors, dass das Internet sich geordneten Regeln unterwirft.

Wesentliche Unterschiede zeigen sich beispielsweise bei den sozialen Kontakten im Netz. Während es für die Digital Residents selbstverständlich ist, dass man im Netz richtige Freundschaften pflegen kann, auch wenn man sich gar nicht persönlich kennt, ist dies für Digital Visitors nicht vorstellbar.

Ähnlich verhält es sich mit politischen Aktivitäten im Netz. Zwar können sich auch die Digital Visitors eine Online-Petition als politisches Instrument vorstellen.

Aber eine weitgehende Mitbestimmung – im analog-schweizerischen Sinn – ist für diese Gruppe nicht vorstellbar, ja gar nicht wünschenswert.

Kruse gab denn auch seinem Erstaunen Ausdruck, dass sich auch bei Heavy Usern zwei völlig unterschiedliche Bewertungsmuster herauslesen liessen. „Man befindet sich zwar im gleichen Raum, lebt aber in parallelen Welten.“

Es sei aufgrund dieser Untersuchen wenig erstaunlich, dass sich im gegenwärtigen öffentlichen Diskurs zwei Lager gegenüber stünden, die keine gemeinsame Sprache fänden.

Interessant ist der Befund, dass die Einteilung Digital Visitor und Digital Resident keine Frage des Alters ist. Die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. (Gedanke während des Vortrags  – leider noch nicht online: Der Forderung der Digital Visitors ans Internet kommt Steven Jobs mit seinem iPad recht nahe, wenn Ordnung und Übersicht gefragt ist.)

Doch die Lawine sei losgetreten, sagte Kruse. Man könne die Entwicklung nicht mehr stoppen, ausser man schalte das Web einfach ab. Ansonsten gelte: abwarten. Die Dynamik des Webs wird’s schon richten.

Während dieser Zeit solle man sich mit dem Internet beschäftigen, denn nur wer drinnen ist, weiss welche Regeln herrschen, kann schlussendlich mitreden, beispielsweise Politiker, Journalisten und andere.

Hatte vor dem Zeitalter des Internets die Anbieter einer Ware oder auch einer (politischen) Idee das Sagen, verschiebt sich die Macht zu den Nachfragern.

Nachtrag: Das Video des Vortrags und die Folien sind jetzt online abrufbar. Sehr empfehlenswert.

PS: Apple hat eben angekündigt, dass der Verkaufstart für das iPad auf Mai verschoben wird. Die Nachfrage in den USA sei überraschend gross. Und bereits gehen Bestellungen für das 3G-Modell ein.

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5 comments untill now

  1. Gibt’s irgendwelche Vermutungen hinsichtlich der Gründe dieser unterschiedlichen Herangehensweise?

  2. Hat mit kulturellen und persönlichen Prägungen zu tun, aber eigentlich weiss man es nicht.

    Man kann es wohl so interpretieren, dass es Konservative und sogenannt Fortschrittliche – wär hätte das gedacht :-) – auch im Netz gibt. Die Überraschung ist wohl auf den ersten Blick deshalb so gross, weil man wie selbstverständlich davon ausgeht, bei Heavy Usern handle es sich per se um “Fortschrittliche”.

    Die wissenschaftliche Untersuchung wurde speziell mit Blick auf diesen Vortrag an der re:publica gemacht. Die Pschychologen waren vom Ergebnis selbst überrascht. Werde den Vortrag sofort verlinken, wenn er online verfügbar ist.

  3. Ich habe den Vortrag im Netz gehört und wundere mich doch etwas, wie durch etwas wissenschaftliche Methoden alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden kann.

    “Heavy User”, also einfach nur Leute, die das Internet oft nutzen, wie und warum auch immer… Dass nur durch die Nutzung polarisierende Werte möglich sind und gerade bei “Neuem” noch sehr schwarz/weiß und undifferenziert (Befürworter/Ablehner), ist doch kein wirkliches Wunder. Heavy user nutzen ja auch in dem Sinne nicht das Internet, sondern die Dienste darin (von Info über Entertainment bis Kommunikation). Und die sind eben so unterschiedlich wie das Leben an sich. Was ist dabei die Erkenntnis?

    War für mich Schaumschlägerei…aber sein “innovatives” Nextpractice Verfahren hat er gut eingebracht. Gleiches gilt für die Nachfrager/Anbieter Thesen und der sich daraus ergebenen Macht. So alt wie das Internet an sich…

  4. [...] Zur anschließenden Diskussion und Verwertung der Erkenntnisse hat sich Manfred Messmer seine Gedanken gemacht. An dieser Stelle sei auch ein kritischer Einwurf zur re:publica erlaubt: Die Verteilung der [...]

  5. [...] unterteilt die Nutzer des Webs in digital residents und digital visitors (hier). Welcher Gruppe man angehört, ist keine Frage des Alters sondern des Zugangs. Während die einen [...]

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