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MANFRED MESSMER ¦ online relations

die welt ist seit heute online

"Das Verschwinden der Zeitung"

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Die der SPD nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung hat kürzlich eine Studie zur Zukunft der Zeitung publiziert. Sie fasst den derzeitigen Stand der Diskussion sehr gut zusammen und kann als Grundlagenpapier für pressepolitische Debatten genutzt werden.

Thesen:

  1. Das Internet ist nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert deren Ausdrucksformen und publizistische Wirkung neu.
  2. Journalistischen Online-Angeboten mangelt es derzeit noch an verlässlichen Erlösmodellen, die den Qualitätsjournalismus dauerhaft sichern helfen. Eine ähnliche solide Finanzierungsbasis, wie sie durch Werbung und Vertrieb lange Zeit für Druckerzeugnisse gültig war, ist im Internet (noch) nicht in Sicht.
  3. Die Vertriebsform der klassischen Zeitung auf Papier ist überholt; elektronische Verteilformen sind nutzerfreundlicher, wirtschaftlicher und ökologischer.
  4. Elektronische Datenträger bieten kompakte, handliche Darstellungen von Zeitungsinhalten, ohne vollständig auf den haptischoptischen Eindruck des Zeitungslesens verzichten zu müssen.
  5. Gerade in Blogs, Social Communities etc. steckt ein wichtiges Ergänzungsverhältnis
  6. im Hinblick auf etablierte Medien: Ungeachtet der Finanzierungsfrage ergeben sich neue Formen der Vergemeinschaftung und Interaktivität, die sich der professionelle Journalismus stärker zunutze machen muss, um seiner Orientierungsfunktion auf verschiedenen Plattformen besser gerecht zu werden.
  7. Die mangelnde Bereitschaft mancher Journalisten, sich auf die neuen Anforderungen digitaler Medienumgebungen und Konvergenztendenzen einzulassen, hat einen erheblichen redaktionellen Innovationsrückstand gegenüber nicht-journalistischen Angeboten begünstigt, der kaum noch aufzuholen ist.
  8. Multimediale Grossunternehmen, die global und in unterschiedlichen Mediensparten agieren, profitieren eher von der Krise der Zeitungsbranche, als dass sie ihnen schadet – weil sie rechtzeitig auf Diversifizierungs- und Crossmedia-Strategien gesetzt haben.
  9. Das allmähliche Ausbluten traditioneller Presseverlage und die Konzentrationswelle, ausgelöst durch ›feindliche‹ Übernahmen multinationaler Konzerne, führen dazu, dass noch mehr und noch schneller ungleiche Meinungs- und Informationsmonopole entstehen, die den Qualitätsjournalismus in seiner Kernbestimmung, glaubwürdige und unabhängige Informationen zu vermitteln, konsequent unterwandern.
  10. Vor allem Blogs und Suchmaschinen, aber auch das Aufkommen der Gratispresse in einigen Zeitungsländern lassen bei Nutzern den Eindruck entstehen, dass Informationen überall und kostenlos zu haben seien – und entziehen dem Qualitätsjournalismus dadurch eine wichtige Ressource.
  11. Ein tragfähiges Geschäftsmodell für Zeitungen zu finden, das qualitativ hochwertige Inhalte garantiert, wird schwieriger. Guter Journalismus wird mittelfristig daher zunehmend auf das finanzielle Engagement ›Dritter‹ angewiesen sein, die sich für den Fortbestand der Zeitung (oder ihrer Internet-Ableger) einsetzen.
  12. Das Engagement gemeinnütziger Organisationen zur journalistischen Qualitätssicherung muss  attraktiver gestaltet werden.

    Die Studie kann kostenlos heruntergeladen werden: Internationale Trends und medienpolitische Problemfelder

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    Written by M.M.

    March 8th, 2010 at 8:43 am

    Posted in Publizistik

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    One Response to '"Das Verschwinden der Zeitung"'

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    1. In den 12 Punkten finde ich nicht die Erwähnung, der Flüchtigkeit von Informationen herkömmlicher Medien gegenüber der Merkfähigkeit von Online- Archiven. Das ist für mich der wesentliche Vorteil.

      Die traditionellen Medien haben m.E. mit verursacht, das ganze gesellschaftliche und politische Leben auf die bloße Tagesaktualität abzustellen. Die geringe “Halbwertszeit” jeglicher Informationen hat alle Meinungsbildungsprozesse extrem verflacht. Größere Zusammenhänge und Langzeitentwicklungen werden gar nicht mehr erfasst und sind auch kaum mehr darstellbar…. Mehr anzeigen

      Vielleicht steht aber in der Studie etwas darüber, die ich noch nicht gelesen habe.

      Anmerkung zu Pkt.4: “haptisch” (haptischoptischer Eindruck) habe ich zum ersten Mal gehört. In einer Zeitung gelesen würde ich dumm sterben gelassen, im Web kann kann ich mich sofort schlau machen versuchen.

      Gerhard Lichtenauer

      8 Mar 10 at 10:36

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